Auferstehung geht alle an

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Wir brauchen Gott, steht auf diesen Ostereiern, die Rafaela Kobas und Miriam Schmeja stolz herzeigen. Aus ausgelesenen Zeitungen haben die Leseratten der 3b der Privaten Volksschule des Schulvereins der Grazer Schulschwestern in Graz-Eggenberg Wörter und - Foto: Nagl-Kohlhauser


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Aus: AUGUSTIN SCHMIED; 
OSTERN – LICHT UND LEBEN; NEUE STADT

In der Zeit der Sowjetunion gab es in Russland einen auch im Westen bekannten 
Pädagogen, Anton Semjonowitsch Makarenko (1888 bis 1939). In einem seiner Bücher schildert er einen Vorfall, der mit dem Osterfest zusammenhängt. Er gibt zwar als Marxist eine ehe negative, spöttische Darstellung; man kann das, was er berichtet und im Folgenden kurz nacherzählt wird, aber auch in einem anderen Licht sehen.

Makarenko war von 1935 an Leiter eines sogenannten Jugendkollektivs („Maxim-Gorki-Kolonie“) in der Nähe von Charkow in der Ukraine. Dieses Erziehungsheim war in einem aufgelösten orthodoxen Kloster untergebracht. Die Kirche dieses Klosters stand noch und durfte damals von den Leuten des benachbarten Dorfes Podworki wieder benutzt werden. In der Osternacht war es üblich, dass die Männer von Podworki einer nach dem anderen in den Turm der Kirche hineinkrochen und jeder eine Weile an der Glocke zog. Jeder läutete sich sozusagen sein Ostern.

So war es auch, als Makarenko diesen 
Osterbrauch zum ersten Mal erlebte. Er lag 
im Bett und konnte nicht schlafen, weil immer wieder jemand an der Glocke zog. Er wurde wütend und lief schließlich auf den Hof hinunter. Dort schrie er die Leute an: „Seid ihr denn alle verrückt geworden? Wer soll denn dieses ewige Gebimmel aushalten?“ Einer der Männer ging auf ihn zu und sagte: „Batjuschka (Väterchen), bedenke, heute ist das Fest der Feste; die Sowjetmacht hat uns erlaubt zu feiern. Niemand kann uns das Läuten verbieten.“

„Ja gut, feiern, aber wozu dieses Herumgetue?“ Einer antwortete ihm: „Christus ist auferstanden, verstehst du?“ Da ging Makarenko etwas näher auf die Männer zu und sagte: „Na schön, Christus ist auferstanden; aber was geht denn das euch an? Ihr tut ja gerade so, als ob bei euch in Podworki einer auf-erstanden wäre, und davon habe ich nichts gehört.“

Makarenko berichtet nicht, was ihm gesagt wurde. Aber die Männer hätten ihm sagen können, und sie haben das wohl auch so empfunden: „Das geht uns sehr wohl etwas an, dass Jesus auferstanden ist. Es gibt den lebendigen Christus, und es gibt das neue Leben, das er uns allen gebracht hat. Auf dieses neue Leben läuten wir, wenn wir an der Glocke ziehen.“

Die Leute hätten Makarenko hinweisen können auf die Osterikonen der orthodoxen Kirche. Das Auferstehungsbild der Ostkirche ist nicht der einzelne auferstandene Christus, der aus dem Grab steigt. Es ist der Christus, der hinabgestiegen ist zu den Toten und die ihm vorausgegangene Menschheit in ein neues Leben hineinzieht. Oft sieht man auf diesen Ikonen den Auferstandenen, wie er Adam und Eva, die Vertreter der ganzen Menschheit, mit festem Griff an der Hand fasst und in sein Licht hineinzieht.

Jesus ist nicht nur für sich allein von den Toten auferstanden. Mit ihm beginnt eine neue Menschheit (vgl. Röm 5,15–19). Das Evangelium sagt es so: Das Weizenkorn, das in die Erde gefallen und „gestorben“ ist, lebt nicht nur allein wieder auf, sondern in vielen neuen Körnern (vgl. Joh 12,23f).

 

 

 




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